Den Wildtieren wird das Wandern durch Korridore leichter gemacht

Mit Korridoren zwischen Nufringen und Herrenberg werden Waldgebiete vernetzt – Erstes Projekt dieser Art in Baden-Württemberg! Bericht von KÄTHE RUESS

 

Erstellt am

Personen auf dem Foto vlnr: Tobias Meigel, Erster Bürgermeister Herrenberg - Martin Wuttke, Erster Landesbeamter Kreis Böblingen- Sylvia Pilarsky-Grosch, BUND Landesgeschäftsführerin -Axel Wieland, Projektkoordinator von „Rettungsnetz Wildkatze“ beim BUND, - Rita Schwarzelühr-Sutter, Staatssekretärin beim Bundesumweltministerium, - Ulrike Binninger, Bürgermeisterin Nufringen -- Dr. Jürgen Friedle, Stv. Kreisjägermeister Böblingen mit Pepper, blauer Weimaraner jagdlich ausgebildeter Vorstehhund - und Walter Holzapfel, Kreisbauernvorsitzender    Bildquellen K.Rueß

Artikel: "erschienen in der KREISZEITUNG Böblinger Bote am 29. Juni 2016".

HERRENBERG/NUFRINGEN. Vom Nordschwarzwald über den Schönbuch bis zur Schwäbischen Alb: Damit Wildkatzen und andere Tiere langfristig wieder auf dieser Strecke wandern können, sind Wildtierkorridore nötig. Ein erster Schritt zur Wiedervernetzung der Waldgebiete ist der rund drei Kilometer lange Korridor zwischen Nufringen und Herrenberg, der am Montagnachmittag offiziell eingeweiht wurde.

ldkatzensprung“ heißt das Projekt, mit dem sich der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) deutschlandweit dafür einsetzt, Waldgebiete wieder zu vernetzen. Gefördert werden die verschiedenen Vorhaben im Rahmen des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Damit der Korridor der erste in Baden-Württemberg  zwischen Nufringen und Herrenberg, und damit zwischen den Ausläufern des Nordschwarzwalds und des Naturparks Schönbuch, zustande kommen konnte, mussten viele Rädchen ineinandergreifen, blickte Axel Wieland, Projektkoordinator von „Rettungsnetz Wildkatze“ beim BUND, auf eine arbeitsintensive Zeit seit dem Spatenstich im April 2014 zurück. Neben dem BUND als Projektträger und den beiden Anrainer-Kommunen waren auch verschiedene Ämter und Behörden, Landwirte und Jäger sowie viele Ehrenamtliche, die tausende einheimische Bäume und Sträucher gepflanzt haben, involviert. Einen besonderen Dank richtete Wieland an die Bauern, die sich bereit erklärt hatten, Flächen abzugeben und zu tauschen. „Es ist ein gemarkungs-und zuständigkeitsübergreifendes Projekt“, bekräftigte auch Herrenbergs Erster Bürgermeister  Tobias Meigel.  

Über 20 Grundstücke gesichert

Im Ergebnis sei es gelungen, über 20 Grundstücke mit einer Gesamtfläche von fast 40 000 Quadratmetern zu sichern, die meisten befinden sich inzwischen im Eigentum des BUND, berichtete Axel Wieland. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass sich der ideale Wildtierkorridor mit einem geschlossenen Waldgebiet hier, im dicht besiedelten Gebiet, nicht werde verwirklichen lassen. Insbesondere da Landwirte an Vorhaben wie die Herrenberger Nordumfahrung immer wieder Flächen verlören, machte der Diplom-Biologe deutlich. Daher habe man sich für sogenannte „Trittstein“ Biotope entschieden: Die könne man sich wie einzelne Steine, mit deren Hilfe ein Bachlauf überquert werden kann, vorstellen. Die einzelnen Biotope mit ihren Bäumen und Sträuchern sollen dann scheuen Tieren wie der Wildkatze in der sonst meist ausgeräumten Landschaft Deckung bieten. Aber auch andere Tierarten wie Fledermäuse, Vögel, Haselmaus und Marder finden dort die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, ihre Jungen aufzuziehen und auf Nahrungssuche zu gehen. Insbesondere die jungen Biotope bedürfen noch der Pflege, so Wieland weiter. Diese werden Mitglieder des Landschaftserhaltungsverbandes übernehmen. Und wenn dann bei einem „Trittstein“ ein prachtvoller Streifen Wiesenblumen in voller Blüte steht, dann ziehen auch noch Insekten ihren Nutzen daraus.  

Davon konnte sich die Gruppe, zu der unter anderem auch Rita Schwarzelühr -Sutter, Staatssekretärin beim Bundesumweltministerium,  BUND Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch, Vize-Landrat Martin Wuttke und Nufringens Bürgermeisterin Ulrike Binninger gehörten, auf ihrem Rundgang aus eigener Anschauung überzeugen.  Wie wichtig die Biotopvernetzung für den Erhalt der biologischen Vielfalt ist, fasste Rita Schwarzelühr-Sutter kurz und knapp in einem Satz zusammen: „Ohne die geht's gar nicht.“ Da hier mit dem Schönbuchtunnel bereits eine funktionierende Grünbrücke über die Autobahn A 81 existiere, sei die Stelle für den „grünen Korridor“ geradezu prädestiniert, erläuterte Wieland gemeinsam mit Sylvia Pilarsky-Grosch die Situation: Mit der Überquerung der Bahnlinie kämen die Tiere soweit zurecht. Jetzt müsse nur noch der Konfliktpunkt B 14 gelöst werden, wobei eine Querungshilfe für Wildtiere an dieser Stelle ganz weit oben in den entsprechenden Prioritätenlisten stehe, wussten die beiden zu berichten.